(...) Jene Schwelle, die Menschen- und Tierkörper innig vereint, begegnet uns auch in den Arbeiten des Düsseldorfer Fotografen Michael Koch. Die vor einem schwarzen Hintergrund gezeigten Objekte entfalten eine große Unmittelbarkeit und Präsenz. So fesseln die materiellen Spuren des Tiers unseren Blick und zwingen uns, eine kontemplative Haltung einzunehmen, unsere Sehgewohnheiten einer augenblicklichen Kehrtwende zu unterziehen. Genau hinzusehen.
Das Stillstellen der Fotografie erfährt damit eine Zuspitzung in den hochästhetischen Bildern, die nicht erst auf den zweiten Blick beunruhigend wirken. Die Natur wird zum ästhetischen Anschauungsgegenstand, wobei sich in den aus- und still gestellten Objekten wissenschaftlicher und ästhetischer Blick zu durchkreuzen scheinen und auch die Grenze zwischen belebtem und totem Gegenstand nicht mehr auszumachen ist.
Das Tier, die Natur, die Kunst als Hüter dieser Grenze. Die Feier der Oberfläche, das Schweben der Dinge in dem potentiell offenen Bildraum. Die Schönheit der Faser, der Struktur ist von poetischem Gehalt und spannt sich über einen Abgrund, der in den Fotografien Michael Kochs augenfällig wird.
Dieser Abgrund also, den uns das lebendige, das tote Tier offeriert und der uns in Kafkas berühmter Erzählung als Einbruch des absolut, irreversibel Fremden vorgeführt wird. Gregor Samsa, der eines Morgens als riesiger Käfer erwacht, jener Verwandlung stattgebend, in dessen Folge Tier- und Familienkörper in einen desaströsen Strudel geraten und der für das Tier tödlich endet. (...)
Dr. Angela Weber, zur Ausstellung "chronoform #2 T I E R, Wuppertal, Mai 2014
Gezeichnete Körper
Die Nacht war lang. Und hart. Was bleibt, sind Kopfschmerzen, Striemen auf dem Rücken, Erinnerungen. Was bleibt, sind gezeichnete Körper.
Der Kontext des Rauschhaften, Selbstzerstörerischen, Glamourösen ist da, dennoch tut man Michael Kochs Fotoserie „Phoenix“ unrecht, wenn man die Fotografien als bloßes Abbild heftigen Nachtlebens interpretiert. Vielleicht sollte man erstmal nicht interpretieren, vielleicht sollte man erstmal beschreiben, was man überhaupt sieht. Also: Konkret sehen wir in „Phoenix“ Menschen aus dem Freundeskreis des Düsseldorfer Fotografen, analog aufgenommen, trotz des beiläufigen Charakters in unzweifelhaft inszenierten Posen. Und hier kommt man „Phoenix“ auf die Spur: „Es sind Inszenierungen, ganz klar“, erklärt der 36-Jährige. „Ich kenne ein paar Seiten der Porträtierten, die finde ich interessant und inszeniere diese Aspekte dann. “ Womit auch deutlich wird, dass Koch zwar den Stoff seiner Inszenierungen aus seinem Wissen über die Modelle schöpft, sich gleichzeitig aber die Inszenierung nicht aus der Hand nehmen lässt: Die Bilder sind auf der einen Seite eine Zusammenarbeit zwischen Fotograf und Modell, auf der anderen Seite geht diese Zusammenarbeit nicht so weit, dass die Porträtierten ein Konzept vorgeben, wie Koch sie zu fotografieren habe.
Im Endeffekt müssen sie darauf vertrauen, dass der Fotograf sie schon richtig interpretiert. Wenn man sich „Phoenix“ ein weiteres Mal anschaut, fällt einem auf: Diese Menschen sind alle außer sich, sie sind verzückt, sie lassen sich fallen. „Letztendlich geht es in allen Arbeiten darum, dass bei den Fotografierten ein gewisser Kontrollverlust da ist“, meint Koch. „Das kann sowohl positiv als auch negativ sein. Gerade bei der Sexualität geht Kontrolle verloren, und das ist positiv besetzt: dass man sich gehen lassen kann.“
Es geht um Vertrauen, es geht ums Fallenlassen, das Thema Sexualität hat der Künstler gerade selbst eingeworfen. Und mit einem Schlag wird klar, dass das zentrale Thema in „Phoenix“ Hingabe ist, Dominanz und freiwillige Unterwerfung und dass diese Hingabe auf zwei Ebenen passiert. Auf der einen Seite in einem Motiv wie „Maya“, das unverhohlen eine Verzückungspose aus der religiösen Heiligendarstellung zitiert, auf der anderen Seite aber auch im Spiel zwischen der Person vor der Kamera mit der Person hinter der Kamera. Wer vor der Kamera steht, der liefert sich aus, der muss dem Menschen hinter der Kamera vertrauen, dass der diese Auslieferung nicht missbraucht.
Für uns als Betrachter bleibt da nur die Rolle des Voyeurs: Weil die Porträtierten ganz bei sich sind, verwehren sie uns jeden Blickkontakt. „Es gibt nur ein Bild, bei dem die gezeigte Person in die Kamera schaut. Aber da sind Haare davor, man kann es nicht erkennen“, bestätigt Michael Koch. „Und bei ,Maya‘ sieht man zwar das Gesicht deutlich, aber sie schließt die Augen. In dem Moment ist sie ganz bei sich.“
Aus diesem „Ganz-bei-sich-Sein“ führen gerade mal die Bildtitel heraus: Phoenix, der mythische Vogel, der verglüht und aus seiner eigenen Asche aufersteht. Nero, der angeblich Rom anzündete, um es neu aufzubauen. Die Göttin Maya, Inbegriff des verblendeten Ichs, das es zur Erlösung zu überwinden gilt. Alle tragen sie den Dualismus von Zerstörung und Wiedergeburt, von negativen und positiven Aspekten eines Selbstverlustes in sich eigentlich eindeutig, oder? „Es geht mir nicht darum, etwas eindeutig zu sagen“, wehrt Koch ab. Alles bleibt vielstimmig, nichts wird eins zu eins aufgeklärt. Eher geht es ins Abstrakte: „Diese Titel stehen oftmals in einem kunsthistorischen Zusammenhang, natürlich. Aber mir geht es bei den Titeln in erster Linie um die Worte an sich, um ihren Klang, um die Stimmungen,die sie transportieren.“
Das gibt es alles: den Klang, die Assoziationen, irgendwo sicher auch die kunsthistorische Bedeutung. Was konkret aber der richtige Interpretationsansatz ist, sagt Koch nicht. Um weiterzukommen, muss man sich auf „Phoenix“ einlassen.
Man muss: sich fallen lassen. Man muss: vertrauen.
Falk Schreiber / Claudia Heidebluth, veröffentlicht in: U_Mag, Magazin der Popkultur und Gegenwart, November 2009
"Forever More", diese beiden Worte aus dem Englischen klingen wie eine höchst vielversprechendes aber in menschlichen Dimensionen aussichtslose Hoffnung: "Für immer mehr" - kein Versprechen für die Welt der Sterblichen. Und doch gibt Michael Koch dieses Versprechen in Form einer Sammlung von Fotografien, die eine Gratwanderung darstellen zwischen Inszenierung und psychologischer Analyse der gezeigten Modelle. Besonderer Schwerpunkt dieser Ausstellung ist das Schwanken von Kontrolle und Kontrollverlust, nicht nur zwischen Modell und Künstler. Michael Koch sucht und findet artifiziell wirkende Momente, in denen die Aufnahmen dieses Wechselspiels auf eine geradezu unheimliche Weise changieren: Wo sie den Künstler enthüllen, verbergen sie das Modell, wo sie das Modell entblößen, verbergen sie den Fotografen. Das Künstliche gibt sich natürlich und umgekehrt. Ein Schlüsselbild für dieses Verfahren ist "Eldur", wo Blitzlicht sonnenverbrannte Haut und ein Feuermal des abgebildeten Mannes aus dem Dunkel der Nacht reißt.
Das Irrationale der Forderung "Forever More" spiegelt sich in den Bildern der Ekstase eines Bildes wie "Maya". Für wen oder was entäußert sich die Fotografierte mit geschlossenen Augen und geöffneten Mund? Was geschah mit "Nero", der derart entspannt mit geschundenem Rücken auf dem Terrazzo-Fußboden liegt? Und wie zeugt ein Bild mit der dem Tod aufs engste verbundenen indischen Gottheit "Kali" vom Leben, während "Phönix" der Wiedergeburt mit offenen Augen begegnet?
Koch verstört mit seinen Bildern nicht weniger, als mit ihrer Inszenierung. Die Bilder stehen nicht nur für sich, sie ergeben einen erweiterten Sinn im Kontext ihrer Hängung. Koch sucht dabei keine Harmonie. Allein die Bilder sprechen von dem Zwiespalt, der von der Schönheit nur dann zu berichten erlaubt, wo sie den Mut hat, der menschlichen Unvollkommenheit zu begegnen.
Michael Koch untersucht die verletzlichen Seiten des Daseins, die er als eine Stärke erkennbar macht und gestaltet dies mit einer dem Fotografen eigenen Geste zärtlicher Entblößung.
Thomas W. Kuhn, zur Einzelausstellung "forever more" in der Galerie Voss, Düsseldorf, Oktober 2009
Die Motive der jüngsten Werkgruppe PHÖNIX von Michael Koch lösen beim Betrachter ein Schwanken zwischen der Empfindung von himmlischer Transzendenz und höllischem Abgrund, zwischen Schönheit und Hässlichkeit, Natur und Künstlichkeit, kühler Beobachtung und emotionaler Verstrickung aus. Phönix, der mythische Vogel verbrennt, um aus seiner Asche wieder neu zu erstehen. Diese Vorstellung transportiert, dass etwas Altes (hier die Idee von einer Sache oder Person) zerstört wird, aber in anderer Form wiederkehrt. Aus bestehenden und vertrauten Mitteln wird etwas Neues geschaffen. Es entsteht eine Art Zwischenwelt, in der alles changiert: Festlegung von Geschlechterrollen, Definition von Schönheit, Auslegung von normangepasstem Verhalten und Entgrenzung.
Die Arbeiten entstehen aus dem Dialog von Künstler, Modell und Umgebung. Dennoch ist das endgültige Bild keineswegs ein beliebiges Produkt des Moments: Es ist ein Spiel mit dem Zufall, bei dem nichts dem Zufall überlassen wird.
Analoge fotografische Technik wird sehr bewusst eingesetzt und ist dennoch lediglich Mittel, um die von Künstler und Modell adaptierten Vorbilder und Emotionen möglichst authentisch zu inszenieren.
Gleichzeitig sind diese Vorbilder und Emotionen auch in der tatsächlichen Persönlichkeit des Modells verankert, da sie Urbilder des kollektiven Bewußtseins verkörpern. So entstehen fiktive Dokumentationen, die sicher auf einem schmalen Grad zwischen Reduktion und Opulenz balancieren: Streng werden Linien eingesetzt, die das Motiv halten, sogar begrenzen. Auf der anderen Seite wird in üppigen Stofflichkeiten, barockem Lichteinsatz und scharfen Farbakzenten geschwelgt. Nie aber kippen die Portraits und Stilleben Michael Kochs auf die eine oder andere Seite und entziehen sich so der Einordnung in die verschiedenen Ansätze zeitgenössischer Fotografie.
Die Titel der Arbeiten im Werk von Michael Koch spielen eine wichtige Rolle: Meist werden sie dem Fundus von Worten entnommen, die den Künstler vom Klang her interessieren, deren Ton für ihn mit bestimmten Emotionen und Bedeutungen verbunden ist.
Es wird jedoch nicht ein Begriff illustriert, sondern zwischen Kunstwerk und nachträglich ausgewähltem Titel kommt es zu einer Symbiose, in der sich allgemein bekannte Konnotationen mit der speziellen Vorstellungswelt des Künstlers (und später auch mit der des Betrachters) mischen.
Patrona beispielsweise ist Ausdruck für eine weibliche Schutzheilige allgemein, Patrona ist konkret die Schutzheilige der Schiffsführer. Auf der anderen Seite evoziert das Wort aber auch etwas Zerstörerisches („Patrone“). Oder Maya, eine Gottheit der indischen Mythologie, die einerseits für kreative Energie, andererseits aber auch für Verblendung steht.
Diese ganzen Spannungen und Gegensätze im Werk Michael Kochs irritieren und fesseln den Betrachter aber es sind sehr inspirierende Irritationen und Fesseln.
Julia Ritterskamp, Düsseldorf, Oktober 2008
Menschen aller Kulturen und Gemeinschaften sind nicht nur Individuen mit einer einzigartigen Persönlichkeit und Geschichte, sondern sind zugleich auch Teil eines psychologischen, sozialen und ästhetischen Systems der Selbstinszenierung und Fremdwahrnehmung, die oftmals mit expliziten Rollen einher gehen. Obwohl insbesondere die Kultur der europäischen Moderne mit ihrer Betonung des Individuums die meisten traditionellen Rollenmodelle abgestreift hat und für eine differenzierte Wahrnehmung des einzelnen Menschen plädiert, existiert noch immer ein Filter zwischen dem Selbst und den Anderen. Im Moment der Selbstgestaltung durch die Mittel der Mode, die nicht nur Frisur, Make-up und Kleidung umfasst, sondern auch Parameter wie Gestik, Mimik und Sprache beinhaltet, wird ein selbst kontrolliertes Image produziert. Doch sind die eigentlichen Elemente dieses Images selten gänzlich originär erzeugt und erdacht.
Dandy und Diva als wesentliche Referenzen der zeitgenössischen Identitäten
der westlichen und verwestlichten Welt begleiten seit dem 19. Jahrhundert den Prozess
der ästhetischen Individualisierung. Ebenso lang reicht die Verbildlichung dieser
Typen zurück, von den Fotografien einer Sarah Bernhardt oder eines Oscar Wildes
hin zu den Ikonen und Celebrities der Gegenwart. In diesem Moment der Verbildlichung
und der visuellen Inszenierung übernimmt aber für den Moment der Aufnahme
der Portraitist die Kontrolle und entscheidet mit über das Mischungsverhältnis
von Image und individuellen Kern und schließlich in der Nachfolge, der Betrachter
des Bild gewordenen Images.
Diesem strukturell unauflöslichen Moment gilt die Portraitkunst Michael Kochs,
der immer wieder mit denselben Modellen arbeitend einen Schwebezustand erreicht,
in der die Kontrolle der Inszenierung und Hingabe zur Perzeption durch den Blick
des Anderen dialektisch zusammenfallen. Michael Koch verlängert das Unheimliche
dieses Moments bis in die Inszenierung der Arbeiten im Ausstellungsraum hinein, der
somit keine scheinbar neutrale Folie für die Präsentation seiner Arbeiten
darstellt, sondern die Gelenktheit der Wahrnehmung sichtbar macht. Begleitet sind
die Portraits, die im Zentrum seiner Kunst stehen, von Stillleben und Landschaftsaufnahmen,
die assoziativ seine inszenatorischen Studien umspielen und sinnbildlich ergänzen.
Thomas W. Kuhn, zur Ausstellung
"self control" Düsseldorf 2008
Michael Kochs Fotografie zeigt Menschen in privaten Momenten. Nachdenklich bis melancholisch;
zurückgezogen und in sich gekehrt wirken die Figuren. Es handelt sich jedoch
nur scheinbar um Portraits. Vielmehr sieht sich der Betrachter Bildern gegenüber,
die bewusst inszeniert und metaphorisch überhöht erscheinen. Eine eindeutige
Dechiffrierung wird aufgrund der Vieldeutigkeit verweigert. Die Portraits schillern
zwischen der inszenierten, filmisch-dramatischen Pose und einem alltäglichen
"Dahingeworfen-sein". Der Künstler arbeitet intensiv mit einer Reihe
von Modellen. Es gelingt ihm dabei, ihre Persönlichkeit zu erkennen und sie
gezielt für die Rollen seiner Bilder einzusetzen. Michael Koch wählt für
die Portraitierten immer ein reduziertes Umfeld, das unglamourös bis bescheiden
wirkt. Die Texturen, Stoffe und ihre Muster geben den Posen einen sinnhaften und
zugleich konterkarierenden Zusammenhang. Somit schafft der Künstler Momente
starker Unnahbarkeit und großer Vertrautheit. Die Dargestellten sind gebrochene
Schönheiten, die den Blick oder einen Dialog mit dem Betrachter nicht freigeben.
So entsteht eine mythische Spannung von emotionaler Tiefe und existenzieller Dringlichkeit.
Sonja Lehnert, kunstradar,
Düsseldorf 2007
(...) Der Künstler liebt das Opulente, seine Portraits und Stillleben leben
von inszenatorischen nostalgischen Ingredienzen, unter deren Vorwand er bis zum Kern
einer Person vorzudringen vermag. Das Arsenal von archetypischen Vorstellungen und
kollektiven Erinnerungen wird derart raffiniert genutzt, dass dem Betrachter die
Flucht in die Welt der Diven und Dandys nie so ganz gelingen mag, da der Künstler
herrlich eklektisch in die Vollen geht, wenn er maßlose Überhöhung
gleich neben das nichtig Profane setzt. In den von Koch porträtierten Heldinnen
und Helden spiegeln sich Verlust und Entrücktheit, als müssten sie einer
fotografischen Entzauberung standhalten. Was sich dabei einstellt, ist ein innerer
Monolog des Dargestellten und ein verweigerter Dialog mit dem Betrachter.
Die haptischen und sinnlichen Texturen der Stillleben, die uns geradezu dreidimensional
überwältigen, stammen von stofflichen Mustern, toten Tieren oder alten
Mohairpullovern. Es sind die einzigartigen Arrangements der Dinge, die Art der konkreten
fotografischen Annäherung aus der in einer inszenatorischen Transformation Symbole
zu Zeichen und Muster zu Ornamenten werden.
Marie-Anette Rolka
Text zur Ausstellung "Musterung", Düsseldorf 2007
"Das nicht eindeutige ist fast durchgängig in den Arbeiten des diesjährigen
Aenne-Biermann-Preises zu finden. Bilder werden als Bilder verstanden, die erst dann
ihre Wirkung bekommen, wenn sie eine zweite Ebene besitzen, wenn sie nicht deutlich
lesbar sind. Damit sind die Bilder nicht einfach zu konsumieren, sondern sie wecken
unsere Neugier und unser Interesse. Sie beschäftigen uns weiter.
Ganz stark trifft das auf die Arbeiten von Michael Koch zu, die nur augenscheinlich
Portraits sind. Eine klare Entschlüsselung wird durch Vieldeutigkeit unmöglich
gemacht. Es geht ihm nicht um das Portraitieren einzelner Personen, sondern um einen
Zustand. Er zeigt irritierte Menschen in ebensolchen Situationen: Eine Frau im roten
Kleid liegt auf weißem Grund. Ein Junge mit nackter Brust schaut ins Leere.
Eine Blonde im Pelzmantel wendet sich ab. Und alle Figuren wirken gehetzt, angespannt,
verirrt in ihren Emotionen.
Die Reduktion auf minimale Gestik und Umgebung ist Voraussetzung für Michael
Koch. So macht er das für ihn Wesentliche erkennbar. Die Personen sind in ihrer
Einsamkeit wie in einem Kokon. Und so kommt man ihnen einfach nicht nahe. Aber es
geht dem Fotografen ja auch nicht ums Portrait, es geht in seinen Bildern um die
sichtbar gemachte Unfähigkeit zur Nähe. Das wird ganz besonders in den
Blicken seiner Figuren sichtbar. Die Irritation wird fast körperlich. Auch damit
wird das Betrachten seiner Bilder zum Erlebnis."
Ute Mahler
Zitat aus dem Aufsatz "Raumwelt",
erschienen im Katalog zur Ausstellung des 7. Aenne-Biermann-Preises für deutsche
Gegenwartsfotografie, Museum für Angewandte Kunst Gera
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